Der Kongress ist vorbei, demnächst gibt es die Audiomitschnitte für alle Daheimgebliebenen. Auch eine ausführliche Reflektion unsererseits wird folgen.

Anfang Dezember steigt in Bochum der zweite Kongress des kommunistischen Bündnisses …umsGanze!

Gerade jetzt, wo Staat und BürgerInnen reaktionär aufdrehen, wollen wir uns die Zeit nehmen, um über grundsätzliche Fragen zu diskutieren, die Waffen der Kritik schärfen, damit wir auch morgen wieder kraftvoll zuschlagen können.

Hier fndet Ihr alle Infos und immer wieder Updates.

„So, wie es ist, bleibt es nicht!“ – Der … umsGanze!- Kongress zu Krise und Arbeit
3. bis 5. Dezember 2010
Ruhr-Universität Bochum

Programm

Referent*innen

Alles organisatorische rund um den Kongress

Anmeldung

Wir freuen uns auf Euren Besuch!

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Übersichts-Flublatt: kongress2

Programm:
Freitag, 3.12.2010

Warm Up Programm

Einführende Workshops in die Kritik der politischen Ökonomie, in die Geschichte der Krisen des Kapitalismus (mit Thomas Sablowski), in die Theorie des Staats (mit Moritz Zeiler) und in Kapital und Arbeit (mit Christian Frings)

Auftaktveranstaltung

Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus
Mit Michael Heinrich, Gerhard Stapelfeldt und Karl Heinz Roth (angefragt)

Die Krise des Finanzmarkts 2008 ging über in eine Staatshaushaltskrise und traf zugleich auf chronische Überproduktion in klassischen Bereichen der Industrie. Marxisten haben immer auf die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus hingewiesen. Die Gründe dafür will das Podium nachzeichnen und ihre Stichhaltigkeit für die Erklärung der aktuellen Krise prüfen. Ob die Krise auch eine Chance auf radikale Veränderung bietet, oder wie bisher nur zur Festigung kapitalistischer Herrschaft führt, ist abhängig von den sozialen Auseinandersetzungen und der Rolle des Staates in der Lösung der gegenwärtigen Krise. Zu diesem Zweck wird das Podium in die Historie der Krisen kapitalistischer Vergesellschaftung und ihrer Lösungen einführen und dabei auch die Effekte auf die Subjekte beschreiben.

Sonnabend, 4.12.2010

Krise der ‚Finanzialisierung‘
Mit Costas Lapavitsas und Thomas Sablowski

Die Krise des Finanzmarktes bietet nicht nur Anlass zur grundsätzlichen Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, sie konfrontiert diese Kritik zugleich mit neuen Formen kapitalistischer Ausbeutung. Die sogenannte „Finanzkrise“ entsprang dem US-amerikanischen Hypothekenmarkt, dessen Entwicklung zwar spezifisch amerikanisch ist, aber weltweit Folgen für die Produktionssphäre (sog. „credit crunch“) hat. Mit dem Begriff ‚Finanzialisierung‘ wird dabei eine Entwicklung beschrieben, bei der ein wachsender Anteil der Unternehmensgewinne aus Produkten des Finanzmarktes (Versicherungen, private Renten, Kredite) erzielt wird. Spiegelbildlich fließt ein erheblicher Teil des Konsums von Privathaushalten in diese Produkte, weil der Lohn weder zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft, noch zur Befriedigung der dem Kapitalismus immanenten Glücksversprechen reicht. Dieser Prozess wird als „direkte Ausbeutung“ verstanden, da nun auch für die Reproduktion der Ware Arbeitskraft eine Gebühr berechnet und diese zunehmend vom Lohn abgekoppelt wird. Wir möchten auch fragen, welche Unterschiede es zu und welche Folgen das amerikanische Modell für die deutschen Verhältnisse hat und welche Konsequenz sich daraus für eine kapitalismuskritische Position ergeben.


2. Workshop-Phase

Krise.Kämpfe.Strategien. (mit Detlef Hartmann)
Naturbeherrschung (mit Dirk Lehmann)
Caring for comunism – Arbeit und Reproduktion (Gruppe Dissident)

Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, sowie damit einhergehenden Regulationsversuche offenbaren eine tiefgehende Krise der kapitalistischen Produktionsweise und ihres Kapitalakkumulationregimes. Dass mit einer Produktionssphäre auch eine Reproduktionsphäre einhergeht, welche in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen, ist in Teilen der radikalen Linken zwar theoretisch Konsens, aber diese kapitalistische Verwertung menschlichen Lebens findet kaum Eingang in eine linksradikale, kritische Analyse. Doch es ist gerade diese Sphärentrennung, die noch immer unabdingbar für den derzeitigen Produktionsablauf ist. Daraus schließt sich für uns, dass Lohnarbeit als kapitalistisch produktive Arbeit verstanden, nur im Zusammenhang mit reproduktiver Arbeit kritisch zu analysieren ist. Die gegenwärtige Krise verdeutlicht somit auch eine Reproduktionskrise und wirft die Frage nach einer radikalen gesellschaftlichen Neuorganisierung anhand der menschlichen Bedürfnissen und Notwendigkeiten auf. Eine Kapitalismuskritik der es ums Ganze geht, kann dies nicht sein, wenn sie blind für das Verhältnis von Geschlecht und (Re)Produktion ist, welche sämtliche Sphären bürgerlicher Gesellschaft (wie auch Nationalstaat, und Recht) konstitutiv durchdringt. Ohne eine kritische Analyse dieses Verhältnisses und das Zusammenbringen mit einer radikalen Kritik an Lohnarbeit und den derzeitigen kapitalistischen (Re)Produktionsverhältnissen kann eine kommunistische Gesellschaft nicht gedacht und erst recht nicht möglich gemacht werden.

Weitere Workshops folgen und werden hier angekündigt.

„Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen!“
Mit Werner Bonefeld, Klaus Müller und der Gruppe TPTG (Athen)

Die Finanzkrise wurde zur Eurozonenkrise und dort insbesondere zur Griechenlandkrise. Die chronologische Abfolge erklärt aber noch nicht die Ursachen für den Fall Griechenland. Denn die Ursachen liegen darüber hinaus sowohl in Griechenland selbst als auch in der Struktur der Eurozone. Als zweitgrößter Kreditgeber des Landes und größte Wirtschaftsmacht in der EU hat Deutschland eine entscheidende Rolle in der Griechenland aufgezwungenen Sparpolitik gespielt, die der Rückzahlung an die – nicht zuletzt deutschen – Gläubiger Priorität einräumt. Damit wurde kenntlich gemacht, wie die Herrschaftsverhältnisse innerhalb der Eurozone beschaffen sind und in welche Richtung sie sich ändern werden. Scheint zwar der Widerstand gegen diese Krisenlösungsstrategie massiv zu sein, und sogar anfangs die Legitimation der herrschenden Ordnung in die Brüche zu gehen, so verpufft er jedoch folgenlos, da er dem kapitalistischen Angriff nichts entgegenzusetzen versucht. Und so wird sich einmal mehr in die alternativlos scheinende Logik des Kapitalismus gefügt: Die Einsparungen werden hingenommen, die vor der Krise nicht durchgesetzt werden konnten. Dass der Kapitalismus aus seinen Krisen gestärkt hervorgeht, scheint sich einmal mehr zu bewahrheiten. Ursachen dieser – nicht nur griechischen – Misere will dieses Panel aufzeigen.

Transformation des Sozialen und des Widerstands von den 70ern bis heute
Mit Karl Reitter, Mag Wompel und Andrea Trumann

Es ist so banal wie richtig, dass der Kapitalismus kein statisches System ist. Ständig muss es, zwecks Aufrechterhaltung seiner selbst, die Bedingungen und Formen von Lohnarbeit anpassen. Die drastische Zunahme der Leiharbeit, die Hartz-Gesetze und die nahezu abgeschlossene Integration der Frauen in den Produktionssektor sind Ausdruck davon. Auch die Linke hat diesen Fakt erkannt und verschieden erklärt:

Die operaistische Theorie identifizierte den Klassenkampf als das Moment, welches das Kapital zu seiner ständigen Neujustierung zwingen soll, während die Wertkritik diesen Spieß umdreht und vor allem die Sachzwänge als movens kapitalistischer Entwicklung betont. Beide Theorien verweisen auf ein tieferes Moment in der Fragestellung. Sie konkretisiert sich nämlich in der Frage, wer die treibende Kraft im Kapitalismus ist. Welche Rollen spielen Klassen und ihre Kämpfe? Wie ist umzugehen mit ihrem (notwendig?) systemimmanenten Charakter und welchen Einfluss haben sie auf Strategien des Kapitals? Und was hat eigentlich der Staat damit zu tun?

Abendveranstaltung

„…, es gibt nur dumme Antworten.“
Mit Klaus Dörre, Christoph Lieber, N.N. und …umsGanze!

Entfremdung, Verdinglichung, Fremdbestimmung – ein großer Teil der deutschen Linken hat in den letzten 50 Jahren zu Recht die Kritik am Kapitalismus über den Tellerrand der sozialen Ungleichheit hinaus erweitert. Wenn jetzt auf einmal nicht mehr nur die Globalisierungsgegner von Armut und Mangel sprechen, sondern sogar die bundesdeutsche Öffentlichkeit über Hartz4, Leiharbeit und Billiglöhne diskutiert, dann ist eines gewiss: Auch in den Metropolen des globalen Kapitalismus erhalten längst nicht mehr alle Menschen eine wohlfahrtsstaatliche Entschädigung für das verkorkstes Leben. Die soziale Frage ist zurück – und schreit nach einer linken Antwort.

Gerechtigkeit ist die zentrale Parole fast aller linken Bemühungen zu diesem Thema. Die Vorstellung davon, was ihr Inhalt sein soll, geht dabei jedoch erwartungsgemäß weit auseinander und reicht von Chancengleichheit über das bedingungslose Grundeinkommen bis hin zum Kommunismus. Auf diesem Podium wollen wir diskutieren, was die Mindestanforderungen an einen linken Gerechtigkeitsbegriff sein könnten, welche Konzepte es gerade gibt und vor welche Aufgabe die Rückkehr der sozialen Frage die radikale Linke stellt.

Sonntag, 5.12.2010

Gespenst Kapitalismus
Mit Rüdiger Mats, Boris Buden und Frank Engster

Sollte er nicht längst tot sein? Obwohl durch eine anhaltende Verschuldungskonjunktur und die aktuelle Finanzkrise mittlerweile selbst zu einem substanzlosen Gespenst geworden, wird der Kapitalismus offenbar doch noch ewig weiterleben. Die Idee des Kommunismus dagegen ist zwar nicht mehr durch die Zumutungen eines „real existierenden Sozialismus“ belastet, und auch Karl Marx hat wieder einen guten Ruf. Dafür ist der Kommunismus endgültig zu einem bloßen Name und Platzhalter für das ganz Andere geworden. Für seine Notwendigkeit sprechen weder die objektive (Klassen-)Widersprüche des Kapitalismus noch seine geschichtliche Entwicklung, gleichgültig, ob man diese Entwicklung als den Fortschritt seiner Produktivkräfte auslegen will oder als den Fortschritt seiner Krisen. Und auch Marx, so hat sich mittlerweile selbst bei seinen Kritikern herumgesprochen, hat gar keine Wissenschaft vom Kommunismus begründet. Ja, er hat nicht einmal eine positive Ökonomietheorie oder gar eine ‚revolutionäre Wissenschaft‘ begründet, sondern „nur“ den Kapitalismus durch eine negativ gehaltene, logisch-systematische Entwicklung kritisch dargestellt.

Kurzum, einzig die Alternativlosigkeit des Kapitalismus scheint noch für die Notwendigkeit des Kapitalismus zu sprechen. Ist angesichts dieser Situation mit Lenin erneut zu fragen: “Was tun?” Oder eher postmarxistisch: „So what?!“ Es geht also um die Probleme einer (Neu-)Bestimmung des Kommunismus in nicht-revolutionären Zeiten und einer post-utopischen Situation.

Was heißt radikale Kritik organisieren?
Mit Frieder Otto Wolf, Lars Röhm (FAU Berlin), Hans-Jürgen-Krahl-Institut und Christian Frings

Die Misere trägt den Namen der Alternativlosigkeit. Daher ist es angebracht zu fragen, welche „konkrete Utopie“ als Way Out zu nehmen wäre. Welche Rolle spielen ‚Organisierung‘ und ‚Mobilisierung‘ für das Verhältnis von theoretischer Reflexion und praktischer ‚Aktion‘. Gilt es, den Kampf um den Lohn zu betreiben, die proletarisierten Individuen in revolutionären Gewerkschaften bzw. Syndikaten zu vereinen oder gibt es andere praktische Alternativen für das alltägliche Leben? Kann es Ansätze von Selbstorganisation geben, die auf eine genossenschaftliche Produktion und somit auf die Sicherung der Existenz hinauslaufen? Und wären solche Ansätze geeignet, Lohnarbeit und Kapitalverhältnis in Frage zu stellen?