Veranstaltungstipp

poldi

Dienstag 02.12 18:30 Uhr Kulturcafe Ruhr-Uni

Ein Bürgerkrieg in Deutschland. Zur revolutionären Praxis und Theorie
1917 ff.
Referent: Sebastian Dittmann


„Der [erste] Weltkrieg mit seinen nationalen und internationalen
Auswirkungen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet
hat in beschleunigten Tempo das Zeitalter der Revolution gebracht.“ Otto
Ruehle
Zuerst wird der Vortrag die revolutionäre Bewegung 1918-23 im Groben
nachzeichnen: Die Meuterei der Matrosen in Kiel, die Ausbreitung der
November-Revolution in ganz Deutschland, den „Spartacus-Aufstand“ im
Januar 1919 in Berlin, die Münchener Räte-Republik, die Rote-Ruhr-Armee
1920, Aufstände in Thüringen und Sachsen, … Sie alle einte die Parole:
„Alle Macht den Räten!“ Sie wollten die deutsche Räterepublik, die
aufgehen sollte in der Welträterepublik. – Dieser Bewegung stand die
geschloßene Front der Reaktion gegenüber: Bourgeoisie, Militaers, SPD.
Sie hassten die Revolution bis aufs Blut und waren bereit auch tausende
Tote in Kauf zu nehmen, wenn sie damit nur die bürgerlichen
Eigentumsverhältnisse, das Vaterland, „Ruhe und Ordnung“ retten konnten.
So kam es bekanntlich: revolutionaäre Arbeiter wurden massenweise
abgeschlachtet, eingekerkert, ins Exil vertrieben; 1923 war der
Kapitalismus wieder weitgehend stabilisiert und die Linksextremisten
unter den Arbeitern isoliert.
Die Geschichte der revolutionären Organisationen, die damals nicht wie
heute nach wenigen, sondern nach tausenden zählten, wird dabei erwähnt
werden: Die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands
(Spartakusbund) Sylvester 1918/1919 und ihre Spaltung im Oktober 1919,
die Gründung der Allgemeinen Arbeiter-Union (AAUD) und der
Kommunistischen-Arbeiter Partei (KAPD) 1920.
Ein zweiter Schritt wird die damalige Theorie des Linkskommunismus
rekapitulieren. Diese zeichnete sich aus durch: die Ablehnung jeglichen
Führertums und der daraus folgenden Verneinung der (alten) Form der
Partei und des Parlamentarismus; die Kritik der Gewerkschaften als
kapitalloyale und staatstragende Organisationen; die Gegnerschaft zu
jeder Reform des Kapitalismus als Verschleierung der Notwendig von
dessen Überwindung; konsequenten Internationalismus, der die soziale
Revolution global verlangte; die Forderung, daß keine Diktatur der
Partei zu errichten sei (wie sie die Bolschewiki wollten), sondern die
der Klasse, d.h. daß die bewaffneten, in Räten organisierten Arbeiter
alle Belange der neuen Weltgesellschaft selber bestimmen sollten.

Der Referent gehört zum Arbeitskreis Rote Ruhr Uni.