Antwort auf BO-Alternativ

Die Erklärung von Bo-Alternativ, nicht mehr über unsere Demo berichten zu wollen, zeugt von einem merkwürdigen Umgang miteinander innerhalb der Linken. Die Redaktion greift Zitate aus unserem Aufruf, ohne diese im Zusammenhang wiederzugeben und kommentiert diese sinnentfremdet. So entsteht ein Bild unserer Position, welches nicht der Realität entspricht. Ob dies in böser Absicht oder mangelnder Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit unserem Text geschieht, ist uns nicht ersichtlich. Für letzteren Fall müssen wir jedoch feststellen, dass die Redaktion von BO-Alternativ nicht nachfragte ob ihre „Interpretation“ unseres Aufrufs so auch korrekt ist. An dieser Stelle sei kurz darauf verwiesen, dass wir, zumindest zu dem Zeitpunkt als dieser Text geschreiben wurde, die einzige Gruppe in Bochum sind, welche auf die übergreifende Mobilisierungs-Homepage http://nazistopp-bochum.noblogs.org/ verweist.
Wer sich die Mühe gemacht hätte, unseren Aufruf zu lesen, hätte z.B. erfahren, dass wir am Wochenende des 25. Oktober „nicht nur gegen Nazis“ demonstrieren wollen. Vielmehr wollen wir gegen das falsche Ganze angehen, gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse die rechte Tendenzen immer wieder hervorbringen. Daher lehnen wir, zu diesem Zeitpunkt in einer Stadt wie Bochum, auch die Zusammenarbeit mit Gruppen ab, welche letztendlich immer wieder den rassistischen Normalzustand erneuern oder gar verschärfen. Wir glauben jedoch, dass auch die bürgerliche Gesellschaft ein Interesse daran hat, die Nazis nicht an die Macht kommen zu lassen. Der Rassismus der Mehrheitsgesellschaft funktioniert nun mal anders, als der platte und offen gewalttätige Rassismus der Nazis. Daher bekämpft der bürgerliche Staat die Nazis, wenn auch nicht immer ausreichend, und daher (und aus einigen anderen Gründen, welche zu thematisieren den Rahmen sprengen würde) entsteht bei Nazi-Aktivitäten zivilgesellschaftlicher Protest. Dass trotz des genannten Interesses der bürgerlichen Gesellschaft an einem gewissen Grad an Antifaschismus, Nazis in Städten wie Dortmund, Marl, Stolberg und vielen Regionen Ost-Deutschlands ein, manchmal auch lebensbedrohliches, Problem sind, ist uns bewusst und bestimmt einen erheblichen Teil unserer politischen Praxis. Denn dort, wo die bürgerliche Gesellschaft es nicht schafft rechte Tendenzen zu bekämpfen, ist die radikale Linke gezwungen, die bürgerlichen Errungenschaften zu verteidigen, obwohl diese Rassismus immer wieder reproduziert. Denn die bürgerliche Gesellschaft ist immer noch ein Fortschritt gegenüber barbarischen Verhältnissen wie dem Nationalsozialismus. Trotzdem, so stellen wir in unserem Aufruf fest, sind Nazis heutzutage gesellschaftlich weitestgehend irrelevant. Eine „Machtübernahme“ durch rechte Parteien ist derzeit nicht zu befürchten; ihr Ausschluss aus dem öffentlichen politischen Diskurs und Handeln ist fast überall Konsens. Vielmehr steht zu befürchten, dass rechte Positionen vom gesellschaftlichen Mainstream und ihren politischen Vertretern aufgenommen werden. Daher wollen wir, da es in Bochum zur Zeit keine derart große Bedrohung durch Nazis gibt, welche nicht durch bürgerliche Gesellschaft und den Staat in Schach gehalten werden kann, am Freitag gegen das falsche Ganze demonstrieren und am Samstag den Nazi-Aufmarsch verhindern.

Kommunistische Gruppe Bochum, Oktober 2008

Im Rahmen unseres Antifa-Cafés am 18. Oktober im SZ möchten wir über die Idee und Aufruf unserer Demonstration diskutieren. Interessierte Menschen sind herzlich dazu eingeladen.